Marina Zumi ist eine Artista Incredibilista. In der ganzen Welt unterwegs und mit ihrem Studio in Berlin, pusht Zumi seit Jahren an dem Verständnis der urbanen Kunst und erschafft Werke, die Zwitterwesen zwischen verschiedenen Medien sind. Wir besuchten sie in ihrem Reinickendorfer Atelier und Denis Leo Hegic sprach mit der niemals ruhenden Zumi.


[no_blockquote text="Ich brauche die Photosynthese. Aber auch in der Dunkelheit kann ich leuchten! Von der Dunkelheit bis zum Licht gibt es ein Gleichgewicht in unserer Wahrnehmung. In dunkleren Orten kann man stärkeres Licht finden..." show_quote_icon="no" show_border="yes"]

Marina, kläre uns auf und erzähle uns von deinen aktuellen Experimenten.

Neulich als ich ein Kaffee mit einem Freund hatte, spuckte ich es folgendermaßen aus: ein roher mix von Wandproduktionen, Leinwandstudien und Oper! Und ich bin ständig am verändern, wo früher mal Baumwollstriche waren ist jetzt Silber oder Gold, oder reflektierendes Polyester, UV-reaktive Leinen die nun endlich anfangen zu leuchten…. Uffh!

 

Und meine Arbeit… Na ja, ich bin nun mal einer von diesen Mutanten-Freak-Geistern und ich muss es weiter walten lassen, denn es darf nicht sterben. Ich verlasse so oft meine Komfortzone, dass ich fast vergessen habe wo die überhaupt ist! Heute erzeuge ich Elektroströme, morgen spiele ich schon wieder mit Linien…. Ich habe das Gefühl, ich könnte die Fähigkeit haben, aufklärende Szenenbilder zu erzeugen, mit dem Ausdruck meiner sauren Seite zu spielen…. Ich habe immer von der positiven Seite des Lebens gesprochen, gegen den typischen Gesellschaftskritiker und ich liebe es über Verbindungen zu sprechen, die Gutes um uns herum schaffen. Aber in meinem „sauren“ Teil steckt auch etwas sehr wichtiges. Sarkasmus ist wichtig und es ist wichtig täglich mit Menschen zu interagieren, die mich dazu inspirieren so viel Schönheit zu sehen! Ich lebe aber auch in der Tierwelt! Yah!

Jetzt versuche ich meine Realität zu verzerren. Ob ich Heiligkeit oder Erleuchtung erfahre? Das ist banal.

 

Neulich habe ich kleine Kapitel in einer neon-toten Natur aufgenommen, in der sich die gegenüberstehenden Interaktionen nach Licht sehnen. Wir werden sehen, ich habe noch kein großes Konzept Denis. Es ist ziemlich roh, aber gerade das macht mich so glücklich.

 

Zumi in ihrem Atelier

 

Wie fängt man Licht ein? 

Das ist eine gute Frage!

Zunächst, von einer persönlichen Ebene aus, fühle ich mich nicht in der Lage das Licht einzufangen. Es geht darum, Licht zu reflektieren, denn das Licht gehört

uns nicht. Wir halten es bloß ein bisschen und fließen dann weiter in die Quelle.

 

Zuerst müssen wir erkennen, dass wir in der Lage sind Energie zu transportieren. Abgesehen von unserem Körper, der nicht mehr als materialisierte Energie ist, können wir die Kraft unseres inneren Lichts tragen, transformieren und wachsen lassen.

 

Zweitens: wir müssen mit der Dunkelheit umgehen können. Ich denke, das ist extrem wichtig. Wir müssen in der Lage sein, uns in der Umgebung von Kreaturen und Situationen aller Art zurechtzufinden, mit ihnen zu interagieren und zu spielen. Das wird dir die Möglichkeit offenbaren, Energien leichter zu erkennen und zu einem gesunden Selbstglanz beizutragen. Ich meine, es ist ziemlich einfach im Frieden zu sein, wenn du an einem friedlichen Ort bist. Aber was, wenn du dich mitten in einem Sturm befindest??

 

Und drittens: fang´ das Licht ein und du wirst selbst zum Licht. Es ist ein Pfad, bei dem es um Energie und Zeit geht. Ich behaupte, dass diese Transformation jedem von uns mindestens einmal im Leben passiert.

Und wenn es um Kunst geht, denke ich dass es eher darum geht Energie zu erzeugen als Licht einzufangen.

 

Bist du ein Schattenwesen oder eine Sonnenanbeterin? 

Ich bin beides!

Ich brauche die Photosynthese. Aber auch in der Dunkelheit kann ich leuchten! Von der Dunkelheit bis zum Licht gibt es ein Gleichgewicht in unserer Wahrnehmung. In dunkleren Orten kann man stärkeres Licht finden…

 

Lichtexperimente im Atelier von Marina Zumi

 

Sakralgeometrie, Zahlen und Physik – sie alle spielen eine ziemlich große Rolle in deinem Konzept. Bist du eine Mathematikerin oder eine Künstlerin?

Ich muss eine Mathematikerin sein um Künstlerin zu sein!

Ich muss auch Kuchen backen, Ozeanographie studieren, Modedesigner werden und sogar Geometrie studieren um Stoffe zu bauen, Schmuck herzustellen. Ich brauche alles was nicht Kunst ist, um Künstlerin zu sein.

Mathematik benötige ich um meine Ideen zu projizieren, um meine Seelen zu bauen, von Skizzen auf pflanzlichen Papieren, von Maßstab ganz abgesehen….

 

Ich habe das Gefühl, dass ich immer weiter lernen muss, wie ich Dinge selbst machen kann. Ich muss autodidaktisch arbeiten, um mich zu verbessern, Elemente zu mischen, die unmischbar sind.

Wenn du einmal in der Mitte einer Wüste sein solltest, wo keine Elektrizität in der Nähe ist und wo man nicht einen Projektor verwenden kann, dann hast du nur noch deinen Kopf und dich selbst, auf den du dich verlassen kannst.

 

Studio Zumi in Berlin

 

Du lässt sowohl Haus- als auch Leinwände hinter dir. Wird deine Kunst jetzt skulptural? 

 

Nein und nein. Und ja.

Ich mische alles. Ich versuche aber auch nicht die Linie zu verlieren, von dem was ich bis jetzt gemacht habe, weil ich es liebe. Aber es gibt noch so viel mehr, was man ausgraben kann! Ich habe das Gefühl, dass ich noch viel mehr erforschen muss. Das Laute und die Stille zu mischen, das ist nun mal die unendliche Geschichte meines Lebens.

Jedes Mal, wenn ich mit einem Werk fertig bin, komm das sofortige Glück und die kleine Angst vor dem nächsten. Es ist aufregend, furchtbar und wunderschön.

 

Interview mit Marina Zumi by Denis Leo Hegic

Photos © by Eudes De Santana

 

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